
… stehen wir um sechs auf und machen Essen für alle?
Oder Wie passen Kollaps und Kochen in einen Satz
Es ist April 2026, und jeder Tag scheint den vorherigen zu übertreffen mit unerträglichen Nachrichten und dem beklemmenden Gefühl, in einem Endzeitfilm gelandet zu sein. Was auch noch passiert, geradezu unkommentiert: Das Klimasystem kippt, und wie nie zuvor sterben Arten in Massen aus. Die Voraussetzungen für – nicht nur – menschliches Leben auf der Erde schwinden. Und die lautesten Reaktionen auf alles sind Leugnung, Populismus, Faschismus.
Aber es gibt auch eine andere, eine solidarische Reaktion. Sie heißt: „Es ist zu spät, was machen wir jetzt?“
Was machen wir jetzt? Schaffen wir es, praktisch, solidarisch, antifaschistisch die Realität anzuerkennen und uns mit dieser Haltung auf Zusammenbrüche und Kollapsszenarien vorzubereiten? Auf ein Zusammenbrechen der Gesundheitsversorgung etwa, auf Folgen von Extremwetter, Strom- oder Wasserausfall, auf Seuchen, Sabotage, Krieg? Wahrscheinlich wird „Kollaps“ nicht BAMvorbei bedeuten, sondern erst mal eine andere Lebensrealität.
Kollaps kann mit dieser Perspektive ein „strategischer Raum“ (Tadzio Müller) sein, den wir in der Tradition von intersektionaler* Klimagerechtigkeit versuchen können zu gestalten. Ein Baustein ist solidarisches Preppen, also eine Vorbereitung, die in Nachbarschaften oder Communities gemeinsam stattfindet. Das wirkt unmittelbar, auch ohne Kollaps, nämlich gegen soziale Kälte, Vereinzelung, Mutlosigkeit und Populismus.

Kollapsrealität ist alleine unaushaltbar
Diese Seite entsteht parallel zu meinen eigenen Kollaps-Seminaren und -Austauschformaten. Sie sind ein Angebot, eine Reise in die Realität zu wagen, sich von nicht mehr realistischen, eigenen Zukunftsvorstellungen zu verabschieden und so Platz zu machen für neue Perspektiven und eine neue Handlungsfähigkeit. Zum Beispiel als Wochenende wie hier als Lehrer*innenfortbildung Ende Juni. Ihr könnt auch tauschlogikfreie Skillshares anfragen. Schreibt einfach an kollapseinladung@posteo.de
Parallel ist die Kollapsvernetzung Hannover gestartet, zu der ich gehöre, und auch das befreundete Projekt sofvo – solidarische Für- und Vorsorge des ruine hq in Hannover.
Es geht bei allem auch darum, das Unaushaltbare aushaltbarer zu machen, durch Vernetzung und Bestärkung, emotionalen Support und gemeinsame Anerkennung der Realität. Wenn in unserem Alltag unbeirrt Karrierewege, Rentenpläne und Olympia 2040 verhandelt werden, hilft es manchmal schon, einen Ort zu wissen, an dem Kollapsrealität die Basis des Austausches ist.
Ihr seid herzlich eingeladen,
… Termine und Veranstaltungen zu finden, die sich mit dem Leben in der Kollapsrealität beschäftigen und Austausch ermöglichen. (Fokus auf Hannover und Norddeutschland)
… Aktuelles zur Kollapsrealität nachzulesen, um euch damit trotz allem zu stärken, eure Wahrnehmung zu validieren, wenn andere oder ihr selbst euch als „Apokalyptiker“ oder Doomer abstempeln
… Perspektiven, Texte und Bücher von Menschen zu entdecken, deren Erfahrungen und/oder Analysen zu Katastrophe und Kollaps unser Denken und Erleben erweitern oder herausfordern
… Kontakt aufzunehmen, wenn ihr Feedback habt, eine eigene Veranstaltung plant, euch vernetzen oder ein Skillshare anfragen mögt und dafür Input oder Unterstützung braucht
About oder: woher kommt diese Seite?
Für mich – Julia, Initiatorin der Seite – fängt die Kollapsreise schon Anfang der 1990er an: Im Physikstudium kapiert, was passiert, aber die Fossil-Industrie setzt weiter die Agenda; Kohle, Öl und Gas boomen, und wir in den saturierten Ländern fordern weiter mehr von allem, also steigen die Treibhausgas-Emissionen, bis heute.
2019, der Widerstand ist endlich breit und sichtbar, bin ich endlich auch aktiv, zuletzt mit Leinemasch BLEIBT und dem Versuch, das absurde Weiter-so des Straßenausbauens in Hannover exemplarisch aufzuhalten. Unseren Widerstand und unser Scheitern habe ich mit Dutzenden Beteiligten im gleichnamigen Buch (oekom 2024, auch open access) dokumentiert.
Das tödliche „Weiter-so“ gilt nicht nur für fossile Energie und Verkehr, es gilt für den Umgang mit Böden, Wasser, Wald, Lebensmitteln, Phosphor, Stickstoff, Plastik, Chemikalien, Atommüll; parallel und zwangsläufig gilt es für Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Rassismus und Kolonialismus, Patriarchat und Misogynie, Überwachung, Autoritarismus, Krieg.
Es ist unrealistisch anzunehmen, dass das im Westen häufig noch *normal* komfortable Leben davon nicht betroffen wäre. Dieser Moment der Menschheitsgeschichte stellt gerade uns unerbittlich die Frage, welche Schlüsse wir daraus ziehen wollen. Wie wir in einer Zeit und Welt der Zusammenbrüche – bei denen wir mehrheitlich auf der Versursacherseite stehen – leben und handeln wollen.
*intersektional bedeutet im Zusammenhang mit Klima-/Kollapsgerechtigkeit, die eigentlichen Ursachen, die Dynamiken zu benennen und anzugehen. „Zuviel CO2 in der Atmosphäre“ ist ja nur eine chemische Situationsbeschreibung. Gründe dafür sind etwa Wachstumszwang und Verwertungslogik im Kapitalismus und die damit verbundene rassistische und patriarchale Ausbeutung und Unterdrückung mit all ihren weiteren Folgen.